{"id":1674,"date":"2009-10-01T15:14:22","date_gmt":"2009-10-01T13:14:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=1674"},"modified":"2009-11-05T01:03:31","modified_gmt":"2009-11-04T23:03:31","slug":"ruhrtriennale-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/ruhrtriennale-2009\/","title":{"rendered":"Ruhrtriennale 2009"},"content":{"rendered":"<p>Ruhrtriennale 2009<br \/>\nDuisburg &#8211; Gladbeck &#8211; Bochum<\/p>\n<p>In \u00e4u\u00dferst seltenen F\u00e4llen taucht <em>aufabwegen<\/em> in die Sph\u00e4re der Hochkultur ein. Immer dann passiert dies, wenn sich der Einsatz zu lohnen scheint und die Pain aus u.U. steifem Gestus, harten St\u00fchlen und \u00fcberteuert-symbolischer Bewirtung gemeistert werden kann. Die Ruhrtriennale 2009 besch\u00e4ftigte sich mit &#8222;Urmomenten&#8220;, wie es der aktuelle k\u00fcnstlerische Leiter Willy Decker nennt. Die Einordnung dieser wuchtigen Thematik in einen gr\u00f6\u00dferen intellektuellen Diskurs \u00fcberlassen wir getrost dem Feuilleton und beschr\u00e4nken uns auf vier kurze Momentaufnahmen, zu deren Bezeugung wir in die &#8222;Kathedralen der Arbeit&#8220; des Ruhrpotts fuhren.<\/p>\n<p>08.09.2009<br \/>\nMaschinenhalle Zeche Zweckel, Gladbeck<br \/>\nSING F\u00dcR MICH, TOD<br \/>\nEin Ritual. F\u00fcr Claude Vivier<\/p>\n<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1815\" title=\"vivier\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/vivier.jpg\" alt=\"vivier\" width=\"340\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/vivier.jpg 340w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/vivier-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><br \/>\n(c) Paul Leclaire<\/h6>\n<p>Klarer Punktsieger ist im R\u00fcckblick dieser Abend, der eine echte Entdeckung zu Tage f\u00f6rdert: die Musik des in Deutschland recht unbekannten kanadischen Komponisten Claude Vivier! Gleich zu Beginn wird man in ein m\u00e4anderndes Wogen der Streicherkl\u00e4nge f\u00f6rmlich hineingezogen; schemenhaft tauchen thematische Gruppen auf, nur um kurz darauf Schiffbruch zu erleiden. Die Kl\u00e4nge stellen sich niemals selbst aus, sondern bleiben geheimnisvoll-zur\u00fcckgenommen nicht un\u00e4hnlich der Musik von Scelsi. Die Musiker des Ensembles musikFabrik sind im B\u00fchnenbild aus Blickrichtung links versetzt in die erste Etage verbannt; z.T. sogar hinter Roll-Jalousien. Eigentlich h\u00e4tte man sich zur optimalen Entfaltung der klanglichen Pracht einen zentralen Ort f\u00fcr die Musiker gew\u00fcnscht. Aber den Platz brauchte der schauspielerische Monolog, der in der Ausf\u00fchrung gut war, aber eigentlich nur bekanntes Theaterrepertoire verarbeitete. Wenn auch von Albert Ostermeier verfasst so war doch die Orientierung am Leben (oder dem wenigen, was man dar\u00fcber wei\u00df) des Komponisten nur teilweise gl\u00fccklich und die Figuren (Vivier und sein Liebhaber, bzw. mutma\u00dflicher M\u00f6rder) wirkten verloren. Was bleibt ist der intensive Eindruck einer fesselnden Musik, geschrieben von einem augenscheinlich tragischen Komponisten.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>12.09.2009<br \/>\nGie\u00dfhalle Landschaftspark Duisburg-Nord<br \/>\nCENTURY OF SONG: LOVE &amp; DEATH<br \/>\nIggy Pop, Tine Kindermann, Marc Ribot &amp; Friends<\/p>\n<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1817\" title=\"Love_and_Death\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/Love_and_Death.jpg\" alt=\"Love_and_Death\" width=\"340\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/Love_and_Death.jpg 340w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/Love_and_Death-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><br \/>\n(c) Michael Kneffel<\/h6>\n<p>Das Format von CoS ist eingef\u00fchrt und die Namen sind so gro\u00df, dass Jung und Alt zusammen str\u00f6men. So auch an diesem Abend, den Marc Ribot\u00a0mit einer eigenen, erotischen Instrumental-Nummer und den\u00a0Worten einleitete: &#8222;This evening is called &#8218;Love &amp; Death&#8216; because they didn&#8217;t want to call it &#8218;Sex &amp; Death&#8216;!&#8220; Im Anschlu\u00df hat Ribot das zweifelhafte Vergn\u00fcgen, Tine Kindermann begleiten zu m\u00fcssen. Sie tr\u00e4gt Kunst- und Schlaflieder zum Thema Tod vor. Lieder ist ihre B\u00fchnenpr\u00e4senz sehr statisch und auch der Einsatz der singenden S\u00e4ge wirkt wie ein effektheischender Trick. Zu keiner Zeit hat man das Gef\u00fchl, dass Tine Kindermann in ihrem Material versinkt, mit den Liefdern eins wird, hinter ihnen zur\u00fcck tritt. Vielleicht tue ich der K\u00fcnstlerin unrecht, aber die ganze Veranstaltung will eine gewisse Steifheit nicht loswerden: immer scheint durch: &#8222;Achtung Leute, ich habe mir hier was ganz dolles und duftes extra f\u00fcr euch ausgedacht!&#8220;. Der Charakter wandelkt sich rasch, als im zwieten teikl des Abends Iggy Pop auf der B\u00fchne steht. Nach weiteren Traditionals schwenkt die Rockikone um zu salonzahmen Versionen seiner eigenen Hits: Search &amp; Destroy, I Wanna Be Your Dog u.a. Der Funke springt direkt \u00fcber aus dem Publikum: die Leute verlassen die Bestuhlung und tanzen vor der B\u00fchne. Iggy Pop genie\u00dft dies ganz offensichtlich. Mein Gott ist der Mann klein und wirkt er so zerbrechlich. Und dann am Mikro &#8211; diese Power! Zum Gl\u00fcck blieb die Hose aber an&#8230;. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>22.09.2009<br \/>\nJahrhunderthalle Bochum<br \/>\nTEOREMA<br \/>\nNach Pier Paolo Pasolini<\/p>\n<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1793\" title=\"TEOREMA\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/TEOREMA.jpg\" alt=\"TEOREMA\" width=\"340\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/TEOREMA.jpg 340w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/TEOREMA-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><br \/>\n(c) Jan Versweyveld<\/h6>\n<p>In dieser Inszenierung von Ivo van Hoe wird Pasolinis gleichnamiger Film in ein relativ blassiertes Kammerspiel \u00fcbertragen. Allerdings greift die Kritik z.B. der S\u00fcddeutschen doch arg kurz, wenn die Oberfl\u00e4chlichkeit der Figuren bem\u00e4ngelt wird, die enormen Fliehkr\u00e4fte von au\u00dfen aber kaum (mit Ausnahme auf den ja nun unumgehbaren Deus ex Machina in Figur des sch\u00f6nen Gastes) Ber\u00fccksichtigung finden. Was ist mit den das B\u00fchnengeschehen einrahmenden DJ-Mixes der vier Musiker des [BL!NDMAN] new strings-Quartetts?! Was hat es mit dem Merzbow&#8217;schen wei\u00dfen L\u00e4rm zum Ende der Show auf sich, der alles radikal entschleunigt und auf Null setzt?! Gerade Dank dieser Befragungen an den Stoff war uns pers\u00f6nlich ein Zugang m\u00f6glich, der letztlich auch zu Pasolini f\u00fchrte. Schlie\u00dflich war er es, der Jesus als den ersten Proletarier dargestellt hat; er war es, der Sodom als sexuelle Revolution deutete. Dies alles prasselt unausgesprochern auf die armen Figuren ein, die notgedrungen schemenhafte Karrikaturen bleiben m\u00fcssen. Viel spannendere w\u00e4re es eigentlich gewesen, die angeprangerte Verflachung noch konsequenter zu betreiben um das Grunddilemma herauszustreichen. Gesten wie das Zertr\u00fcmmern des Mobiliars sind \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Es bleiben gemischte Eindr\u00fccke von der Ruhrtriennale zur\u00fcck: Echte Entdeckungen stehen neben Momenten der Bedeutungs\u00fcberfrachtung; knorrig-undergroundiges Loftgebaren neben hehrer Inszenierungswut. Es will scheinen, dass das Festival, obwohl unter der neuen Leitung an basalen Themen arbeitend und diese mit sehr viel Empathie und Sorgfalt auch angehend, doch letztendlich darunter leidet, immer die Dinge gleich auch definieren zu wollen. Trotzem: 2010 folgt der n\u00e4chste Anlauf von unserer Seite! Herzlichen Dank auch an das Presseteam der Ruhrtriennale f\u00fcr die nette Betreuung!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ruhrtriennale.de\">www.ruhrtriennale.de<\/a><br \/>\n<em>Till Kniola<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruhrtriennale 2009 Duisburg &#8211; Gladbeck &#8211; Bochum In \u00e4u\u00dferst seltenen F\u00e4llen taucht aufabwegen in die Sph\u00e4re der Hochkultur ein. Immer dann passiert dies, wenn sich der Einsatz zu lohnen scheint und die Pain aus u.U. steifem Gestus, harten St\u00fchlen und \u00fcberteuert-symbolischer Bewirtung gemeistert werden kann. 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