{"id":4278,"date":"2012-09-03T09:52:01","date_gmt":"2012-09-03T07:52:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=4278"},"modified":"2012-09-06T09:58:43","modified_gmt":"2012-09-06T07:58:43","slug":"a-house-full-of-music-aussstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/a-house-full-of-music-aussstellung\/","title":{"rendered":"A House Full Of Music &#8211; Aussstellung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4282\" title=\"hfom_ausstellung_5\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/hfom_ausstellung_5.jpg\" alt=\"\" width=\"284\" height=\"189\" \/><\/p>\n<p>Stefan Fricke schreibt es in einem Text zum wundersch\u00f6nen Ausstellungskatalog: der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Cage\u2019schen Werks k\u00f6nnte im genauen Studium seiner Partituren und Anleitungen liegen. Daher ist es nur stimmig, dass die Ausstellung <strong>A House Full of Music<\/strong> etliche Partituren zeigt: von Paul Klee, von Marcel Duchamp, von Luciano Berio, von Cathy Berberian und von Cage himself. In manchen Notationen ist die Sch\u00f6nheit des Werkes bereits auf dem Papier eingeschrieben. Die Ausstellung pr\u00e4sentiert diese Scores in eben diesem Sinne, als bereits erste Vorwegname des klanglichen Kunstwerks, als eine Art stille Musik. Und eben nicht so sehr als Gebrauchsanweisung. Dies geht zur\u00fcck auf den konzeptuellen Ansatz der Schau: dem Entspinnen der Verbindung von Musik und Bildender Kunst anhand von markanten Strategien und Praktiken (Zerst\u00f6rung, Schweigen, etc.) und entlang von drei strahlkr\u00e4ftigen K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten (Cage, Satie, Duchamp). Im Aufzeigen der verschiedensten Auspr\u00e4gungen der gew\u00e4hlten Strategien und im unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gten R\u00fcckbezug auf die historischen Figuren zeigt sich die ganze Spannbreite der Werke und eine gewisse forschend-provozierende Grundhaltung. So ist es z.B. erfrischender, den spleenig-dilettanischen Musikapparat (siehe Foto) eines Dieter Roth zu bestaunen, als sich an eine akkurat ausgef\u00fchrte Cage-Auff\u00fchrung eines Spitzenensembles f\u00fcr Neue Musik zu erinnern, wo zwar sorgf\u00e4ltig musiziert wurde, aber der Spirit in der Garderobe geblieben ist. Von diesen Aha-Erlebnissen bietet <strong>A House Full Of Music<\/strong> eine ganze Menge \u2013 es sind oft die Au\u00dfenseiter und Zweifler, die die Musik spielen. Von den Einst\u00fcrzenden Neubauten bis hin zu Nam June Paik. \u00dcberraschend unterrepr\u00e4sentiert sind die Futuristen, die \u2013 siehe Russolos Gem\u00e4lde &#8222;La Musica&#8220; \u2013 die Verschmelzung der Kunstformen unter einem Programm geradezu forciert haben.<\/p>\n<p>Die Ausstellung begeistert nicht nur durch ihr inhaltliches Konzept sondern auch durch die praktische Umsetzung, die bereits in den Feuilletons abgefeiert wurde: eine Ausstellung zum Thema Klang und man h\u00f6rt zun\u00e4chst NICHTS. Der Audioguide spielt viele Werke automatisch beim Ann\u00e4hern ab, aller Sound bleibt im Kopfh\u00f6rer des Besuchers. Dieses Konzept schafft Intimit\u00e4t und direkten Bezug zu einzelnen Werken, f\u00fchrt aber auch etwas zu Vereinzelung und p\u00e4dagogischer \u00dcberfrachtung (wenn z.B. vor Erklingen der Arbeit selbst erst ein l\u00e4nglicher Einf\u00fchrungstext verlesen wird).<\/p>\n<p>Einige Werke stechen heraus und nehmen den Betrachter gefangen, aufgrund ihrer starken Wirkung. Dies m\u00f6gen f\u00fcr jeden Besucher nat\u00fcrlich andere Arbeiten sein. Hier unsere Top Five:<\/p>\n<p>&#8222;Pixillation&#8220; (1970) von Lillian Schwartz, ein psychedelisches Acidhead-Video mit Musik von Moog-Impressario Gershon Kingsley. Optimistische Computerkunst die ihren zeitlichen Horizont direkt abbildet und doch weit dar\u00fcber hinaus reicht.<br \/>\nRobert Morris: &#8222;Box with the Sound of its Own Making&#8220; (1961): Toll, diese Arbeit im Original zu sehen. Eine brillante Idee \u2013 eine Holzbox enth\u00e4lt die Ger\u00e4usche ihrer eigenen Herstellung, ein Lautsprecher im Innern spielt die Ger\u00e4usche ab. Eine einfache Umsetzung, eine poetische Arbeit.<br \/>\nLuciano Berio: &#8222;Sinfonia&#8220; (1968) In einer Sysyphos-Arbeit haben die Museumsmenschen in Darmstadt die Faksimilie-Edition der Handschrift in gro\u00dfem Format auf den W\u00e4nden der Ausstellungsr\u00e4ume angebracht. Man kann in den farbigen Sequenzen die Ausschnitte aus anderen musikalischen Werken (Mahler, Sch\u00f6nberg, Debussy) erkennen. Sampling, Remix, Montage \u2013 you name it. So stellt sich das die ernste Musik vor.<br \/>\nPeter Roehr: &#8222;Ohne Titel&#8220; (1963\/64) Sequenzielle Textarbeiten, extrem rhythmisch und spartanisch, dabei kraftvoll und ohne Schnickschnack. Mehr Techno in der Literatur geht nicht. Was will Stuckrad-Barre?!<br \/>\nRagnar Kjartansson: &#8222;God&#8220; (2007) Diese Videoinstallation ist perfekt inszeniert und kommentiert den morbiden Charme Las Vegas-\u00e4hnlicher Inszenierungen. Man steht drin und wei\u00df nicht ob man weinen oder lachen soll&#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es noch weitere tolle Werke zu bestaunen, u.a. von Robert Filou, Yves Klein oder Terry Fox um nur drei weitere Namen herauszugreifen. Und der mystisch-beruhigende Gegenpol zur Bilderflut im Wasserspeicher: die raumgreifende Installation von Heiner Goebbels, die den Betrachter erdet und den Puls runterfahren l\u00e4\u00dft.<br \/>\nDie Ausstellung <strong>A House Full Of Music<\/strong> in der prachtvollen Jugendstil-Anlage der Mathildenh\u00f6he in Darmstadt ist unbedingt ein Reise wert. Sie l\u00e4uft nur noch bis zum <strong>09. September 2012<\/strong> und schlie\u00dft mit einer letzten \u00f6ffentlichen Kuratorenf\u00fchrung und einer Trompetenfanfare!<\/p>\n<p>Weitere Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.mathildenhoehe.info\/www\/ausstellungen.html#music\" target=\"_blank\">http:\/\/www.mathildenhoehe.info\/www\/ausstellungen.html#music<\/a><\/p>\n<p>Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.<\/p>\n<p>Till Kniola, Foto: Dieter Roths \u201eOlivetti-Yamaha-Grundig Combo\u201c von Wolfgang G\u00fcnzel<br \/>\n\u00a9 Institut Mathildenh\u00f6he Darmstadt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Fricke schreibt es in einem Text zum wundersch\u00f6nen Ausstellungskatalog: der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Cage\u2019schen Werks k\u00f6nnte im genauen Studium seiner Partituren und Anleitungen liegen. 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