{"id":5485,"date":"2016-02-04T22:19:47","date_gmt":"2016-02-04T20:19:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=5485"},"modified":"2017-02-04T22:47:47","modified_gmt":"2017-02-04T20:47:47","slug":"5485","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/5485\/","title":{"rendered":"St\u00e9phane Garin &#038; Sylvestre Gobart 2xCD \/ Birthe Klementowski\/Vortex Buch+CD"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Gruen085.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5490\" alt=\"Gruen085\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Gruen085.jpeg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/ikon04.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-5492\" alt=\"ikon04\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/ikon04-250x290.jpg\" width=\"150\" height=\"173\" \/><\/a><\/p>\n<p>St\u00e9phane Garin &amp; Sylvestre Gobart<br \/>\nGurs\/ Drancy\/ Bobigny&#8217;s Train Station\/ Auschwitz\/ Birkenau\/ Chelmno-Kulmhof\/ Majdaneck\/ Sobibor\/ Treblinka 2xCD<br \/>\n(Gruenrekorder Gruen085)<br \/>\nBirthe Klementowski\/Vortex<br \/>\nStille \/\/ Silence &#8211; Eu\u00adtha\u00adna\u00adsie In Ha\u00adda\u00admar 1941-1945 Buch+CD<br \/>\n(Ikonen Media)<\/p>\n<p>Die Horror des Naziterrors tauchen in der experimentellen Musik, zumal in den Zirkeln des Post-Industrial, meist nur als Rede-Sample oder Schreckensikonographie auf. Generalisierungen sind tunlichst zu vermeiden, aber leider ist es doch oft so, dass diese Ingredienzen in zweifelhafter Art und Weise eingesetzt werden &#8211; als Schocktrivia, oder blo\u00dfes Souvenier einer affirmativ ausgelebten Randst\u00e4ndigkeit. Wie wohltuend ist es da, zwei Beispiele f\u00fcr einen anderen Umgang mit dem Nazierbe in Sound vorstellen zu k\u00f6nnen. Die franz\u00f6sischen Klangk\u00fcnstler St\u00e9phane Garin &amp; Sylvestre Gobart haben Standorte von KZs bereist und vor Ort Feldaufnahmen gemacht. Stimmen von Besuchern, Wind in den B\u00e4umen \u00fcberwucherter Todesorte, Vogelgezwitscher. Dazu sind mattgr\u00fcne Fotografien der Schreckenspl\u00e4tze beigef\u00fcgt, die nicht die typischen Bilder zeigen (Baracken, Schornsteine der Brenn\u00f6fen), sondern untypische Ausschnitte aus dem direkten Umfeld der Unorte: Waldst\u00fccke, Verwaltungsgeb\u00e4ude, flache \u00c4cker. In eigenen Worten wollen sich die beiden Urheber durch diese Verschiebung hin zum &#8222;Normalen&#8220; der Todesorte genau dem Effekt entziehen, der die aus History-Dokus bekannten Ikonographien zur einge\u00fcbten, starren Erinnerungskultur werden l\u00e4sst, die ultimativ ins Vergessen f\u00fchrt. Mit der klanglichen Momentaufnahme dieser Orte wollen Garin\/Gobart eine alternative Erinnerungsroute er\u00f6ffnen. Dies gelingt eindrucksvoll, wobei die Arbeit nur als Gesamtwerk funktioniert. Denn ohne Text und Fotodokumentation ist das Rauschen der \u00c4ste und zwischern der V\u00f6gel eben nur genau das: Rauschen und Zwitschern.<br \/>\nDie Fotok\u00fcnstlerin Birthe Klementowski hat in reduzierten Schwarzwei\u00dfbildern die R\u00e4ume der T\u00f6tungsanstalt Hadamar eingefangen. Dieser hessische Schreckensort war Teil des Euthanasie-Programms und mit einer Gaskammer, einem Seziertisch und weiteren Unvorstellbarkeiten ausgestattet. In Hadamar wurden \u00fcber 10.000 Menschen von den Nazis ermordert, heute ist der Ort eine Gedenkst\u00e4tte. Klementowskis Fotografien bilden nackte R\u00e4ume ab, oft im Gegenlicht oder mit weichen Konturen. Die Bildsprache ist einerseits fast schon brutal realistisch und andererseits sinnierend-zur\u00fcckgenommen, wie als um einer Reflektion \u00fcber die schreckliche Funktion der Architektur Platz zu lassen. Dazu passt die dunkel-schwebende Ambientmusik von Vortex, dem Projekt von Marcus Stiglegger, der diese Edition auch herausgegeben hat. Jenseits von Effekthascherei wird hier eine k\u00fcnstlerische Ann\u00e4herung an einen dunklen Ort deutscher Geschichte erreicht: zur\u00fcckhaltend und respektvoll.<br \/>\n<em>Zipo<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gruenrekorder.de\" target=\"_blank\">www.gruenrekorder.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ikonenmagazin.de\" target=\"_blank\">www.ikonenmagazin.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 St\u00e9phane Garin &amp; Sylvestre Gobart Gurs\/ Drancy\/ Bobigny&#8217;s Train Station\/ Auschwitz\/ Birkenau\/ Chelmno-Kulmhof\/ Majdaneck\/ Sobibor\/ Treblinka 2xCD (Gruenrekorder Gruen085) Birthe Klementowski\/Vortex Stille \/\/ Silence &#8211; Eu\u00adtha\u00adna\u00adsie In Ha\u00adda\u00admar 1941-1945 Buch+CD (Ikonen Media) Die Horror des Naziterrors tauchen in der experimentellen Musik, zumal in den Zirkeln des Post-Industrial, meist nur als Rede-Sample oder Schreckensikonographie auf. 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