{"id":596,"date":"2009-01-04T19:31:01","date_gmt":"2009-01-04T17:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=596"},"modified":"2009-02-04T19:42:55","modified_gmt":"2009-02-04T17:42:55","slug":"va-donaueschingen-2007-4xcd-box","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/va-donaueschingen-2007-4xcd-box\/","title":{"rendered":"V\/A &#8211; Donaueschingen 2007 4xCD Box"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-603\" title=\"neos_108242\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/neos_108242-150x150.jpg\" alt=\"neos_108242\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Various<br \/>\nDonaueschingen 2007 4xCD Box<br \/>\n(Neos Music)<\/p>\n<p>Die Donaueschinger Musiktage gelten als Gipfeltreffen der Neuen Musik in Deutschland. Ein ungemein hohes Urauff\u00fchrungspensum hat sich hier eingeb\u00fcrgert und fordert vom Publikum Konzentrationsspannen, die kaum zu erbringen sind. Da bieten sich die von Jahr zu Jahr in zunehmendem Umfang ver\u00f6ffentlichten Mitschnitte als dankbares Rekapitulationsmittel an. F\u00fcr das letztj\u00e4hrige Festival bel\u00e4uft sich die Zahl der CDs auf ganze vier St\u00fcck.<br \/>\nAuf einer dieser CDs befinden sich Dokumente daf\u00fcr, da\u00df junge zeitgen\u00f6ssische Musik Abstand nehmen kann von allzu entr\u00fcckter Abstraktheit und durchgeweichten Gesten ohne dabei Federn im kompositorischen Anspruch lassen zu m\u00fcssen. Es sind St\u00fccke, die formal mitrei\u00dfen, die klanglich vielf\u00e4ltige Assoziationen aufrufen.<br \/>\nMark Andres zwischen 2005 und 2007 entstandenes \u2026 auf \u2026 III f\u00fcr Orchester stellt ger\u00e4uschafte, unharmonische und harmonische Kl\u00e4nge gegen\u00fcber und vermittelt zwischen diesen. Zaghaft rauschende Streicher werden mehr und mehr durchsetzt von kurzen impulsiven Aufschreien, die sp\u00e4ter in donnernden Schl\u00e4gen, nicht nur der Perkussionisten sondern ebenso der Streicher mit den B\u00f6gen auf die Saiten, gipfeln und immer wieder zur\u00fcckkehren als wollten sie den Zuh\u00f6rer wachr\u00fctteln. Beckenkl\u00e4nge, die sich langsam aufbauen, und crescendierende Bl\u00e4serakkorde durchlaufen den gleichen dynamischen Prozess; einmal mit hohem Ger\u00e4uschanteil und einmal von der Harmonik bestimmt. Andre gelingt in seiner Arbeit eine hochspannende Entwicklung, die weit \u00fcber den Moment hinausgeht, indem sie bereits Geh\u00f6rtes engf\u00fchrt, variiert artikuliert und nicht zu Letzt durch den zus\u00e4tzlichen Klangraum der Live-Elektronik erweitert.<br \/>\nDie Komposition GOYA I \u2013 Yo lo vi (2006) von Helmut Oehring beschreitet ganz andere Wege, indem sie erz\u00e4hlt und sich in einem andauernden Vorw\u00e4rtsdrang befindet. In ihrer Klanglichkeit an die 1920er Jahre erinnernd schreckt sie nicht vor Walking-Ba\u00dflinien und einsamen Kantilenen zur\u00fcck. Stets scheint jedoch ein Moment der Bedrohung und des Abgr\u00fcndigen hindurch, das allem schattengleich folgt und dieses stellenweise verdr\u00e4ngt. Gleichzeitig verm\u00f6gen rhythmische Pattern sowie die Wucht des ganzen Orchesterapparats nicht, der Leichtf\u00fc\u00dfigkeit und vielleicht auch Naivit\u00e4t des Einzelklangs den Zauber zu nehmen. Einem Hoffnungsschimmer gleich endet dieses durch eine Kriegsradierung Goyas inspirierte Werk in entfernt klingender Trommelrhythmik, die unter Klavier- und Pizzicatotupfern langsam entschwindet.<br \/>\nMit der Verwendung der gleichen f\u00fcnf T\u00f6ne in der immer gleichen Reihenfolge verschreibt sich Enno Poppe auf den ersten Blick einer Starrheit und Rigidit\u00e4t, die ebensolche Klanglichkeit vermuten l\u00e4\u00dft. Frischer Gebrauch der orchestralen Klangfarben und stete Verschiebung, \u00dcberlagerung, Verdichtung und Dehnung der Tonabfolgen belehren allerdings eines Besseren, das schon der die Tonfigur zu Beginn beherrschende Triller vorausnimmt. Erst gegen Ende m\u00fcndet das mit Keilschrift betitelte St\u00fcck in eine von Glocken, Gongs und Pauken erf\u00fcllte Archaik, die nach der vorherigen Vielfalt kompositorischer Gestaltung kl\u00e4rend wirkt.<br \/>\nErschienen ist die CD sowie die restlichen drei bei Neos, dem neuen Label von Wulf Weinmann. Das Label m\u00f6chte mit seinen Ver\u00f6ffentlichungen am Zahn der Zeit bleiben, indem es sich auf aktuellste Musik konzentriert und neue Erkenntnisse zur Interpretation einflie\u00dfen l\u00e4\u00dft. Alle CDs des Labels sind gestaltet in feinen Digipacks mit hohem Wiedererkennungswert.<br \/>\n<em>Manuel Schwiertz<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.neos-music.com\" target=\"_blank\">www.neos-music.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Various Donaueschingen 2007 4xCD Box (Neos Music) Die Donaueschinger Musiktage gelten als Gipfeltreffen der Neuen Musik in Deutschland. Ein ungemein hohes Urauff\u00fchrungspensum hat sich hier eingeb\u00fcrgert und fordert vom Publikum Konzentrationsspannen, die kaum zu erbringen sind. Da bieten sich die von Jahr zu Jahr in zunehmendem Umfang ver\u00f6ffentlichten Mitschnitte als dankbares Rekapitulationsmittel an. 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