{"id":6839,"date":"2021-08-14T17:07:31","date_gmt":"2021-08-14T15:07:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=6839"},"modified":"2021-08-15T18:49:40","modified_gmt":"2021-08-15T16:49:40","slug":"ruhrtriennale-2021-konzert-im-morgengrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/ruhrtriennale-2021-konzert-im-morgengrauen\/","title":{"rendered":"RUHRTRIENNALE 2021 &#8211; Konzert im Morgengrauen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"543\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale-1024x543.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6842\" srcset=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale-1024x543.jpg 1024w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale-300x159.jpg 300w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale-768x407.jpg 768w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale-1536x814.jpg 1536w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/konzert_im_morgengrauen_c_christian_palm_ruhrtriennale.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Konzert im Morgengrauen, Ruhrtriennale 2021, Foto: Christian Palm<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Chris Watson &#8211; Morgenchor (2021)<br>Maurice Ravel &#8211; Gaspard de la nuit (1908)<br>Salvatore Sciarrino &#8211; De la nuit (1971)<\/p>\n\n\n\n<p>Virgine Dejos &#8211; Klavier<br>Chris Watson &#8211; Klangregie<\/p>\n\n\n\n<p>Seitens der OFF-Kultur gab und gibt es wom\u00f6glich berechtigte Vorbehalte gegen das Spektakel der Ruhrtriennale: \u00dcberkommenes Intendanzprinzip, Konzentration von F\u00f6rdermitteln und Deutungsmacht, Wirkung durch \u00dcberw\u00e4ltigungs\u00e4sthetik in den &#8222;Kathedralen der Arbeit&#8220; des Ruhrgebiets, wiederkehrende Aktive aus dem Festival-Circuit der Hochkultur. Das Problem an dieser Haltung ist allerdings, dass alle oben genannten Punkte zugleich die besonderen St\u00e4rken der Ruhrtriennale ausmachen, oder dies zumindest k\u00f6nnen. Unter der Schweizer Intendantin f\u00fcr die Jahre 2021-2023, Barbara Frey, deutet sich jedenfalls eine unaufgeregte Versachlichung des Programmangebots der Ruhrtriennale an &#8211; eine Konzentration auf die Kunst, ohne Bullshit gewisserma\u00dfen. Diesen Eindruck erweckt zumindest das Konzert im Morgengrauen, welches am 14.08.2021 um 5.00 Uhr morgens in der Maschinenhalle Zweckel (Freunde des Hands Labels werden den Ort kennen&#8230;) stattfindet. Im Laufe der einst\u00fcndigen Dauer entfaltet sich die ganze, sch\u00f6ne Poesie dieser daramaturgischen Idee. Nocturne Klavierliteratur trifft auf Wildlife-Recordings, pr\u00e4sentiert zu einer Nicht-Mehr-Nacht und Bald-Schon-Tag Zeit, die vermutlich das traumhafte Zeitfenster des Nachhalls der modernen Klassiker und den typischen Zeitpunkt der Entstehung der field recordings darstellt. Noch in Dunkelheit setzt Chris Watsons Morgenchor mit bassigen Fl\u00e4chen und Alltagsger\u00e4uschen aus der Arbeitswelt ein. Nach ca. 20 Minuten betritt die Pianistin Virgine Dejos die Spielfl\u00e4che und setzt sich an ihr Instrument. Watsons Kl\u00e4nge werden durchl\u00e4ssiger und luftiger und bestehen nun fast ausschlie\u00dflich aus Kl\u00e4ngen aus der unber\u00fchrten Natur &#8211; ein magischer Topos der menschlichen Psyche. In die Vogel- und Insektenges\u00e4nge hinein beginnt Dejos mit ihrer glasklaren, pointierten und schn\u00f6rkellosen Interpretation der drei Klaviergedichte von Maurice Ravel. Fade out Elektroakustik &#8211; Freispiel traumhaft-perlende, kaskadierende Kl\u00e4nge vom Beginn des vorangegangenen Jahrhunderts. Nach Ravel setzen als verbindendes Element wieder Watsons Vogelges\u00e4nge ein &#8211; w\u00e4hrend die ersten Sonnenstrahlen durch die gro\u00dfz\u00fcgigen Fensterfronten in die Maschienenhalle einfallen und einen bezaubernden Effekt erzeugen, den kein schwurbeliges VJing je hingekriegt h\u00e4tte. Es setzt sich am Ende das kurze und f\u00fcr ihn schon maximal t\u00f6nende Sciarrino St\u00fcck etwas ab und bildet fast eine Art apodiktischen Abgesang auf die Verhei\u00dfungen der Nacht und die Andeutungen des neuen Morgens. Die Musikwissenschaft wei\u00df von direkten Bez\u00fcgen zwischen den aufgef\u00fchrten Werken Ravels und Sciarrinos zu berichten, uns bewegt aber vor allem die stimmige Gesamtatmosph\u00e4re und das unaufgeregte Nachvollziehen von zeitlichen Verl\u00e4ufen mittels der Inszenierung. Und noch etwas freut uns, die wir eher vom Rand auf das ganze Spektakel schauen &#8211; wie hier mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit eher abwegige Ger\u00e4uschkunst (gut: Watson ist ein Wanderer zwischen den Welten und mit seinen BBC-Arbeiten und seiner Klangforschung von adeligen Weihen auch in Kulturtempeln unterwegs; seine Wurzeln liegen aber im &#8222;Composing with tape recorders&#8220;) mit dem Kanon der zeitgen\u00f6ssischen E-Musik verbunden wird. Und das zum Festivalauftakt, quasi als Hinweis auf einen besonderen Ansatz der Gesamtprogrammierung der Ruhrtriennale 2021. Das verspricht noch, spannend zu werden.         <br><em>Till Kniola<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seitens der OFF-Kultur gab und gibt es wom\u00f6glich berechtigte Vorbehalte gegen das Spektakel der Ruhrtriennale: \u00dcberkommenes Intendanzprinzip, Konzentration von F\u00f6rdermitteln und Deutungsmacht, Wirkung durch \u00dcberw\u00e4ltigungs\u00e4sthetik in den &#8222;Kathedralen der Arbeit&#8220; des Ruhrgebiets, wiederkehrende Aktive aus den Festival-Circuit der Hochkultur. 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