{"id":810,"date":"2009-06-16T23:09:55","date_gmt":"2009-06-16T21:09:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/?p=810"},"modified":"2009-06-16T23:15:02","modified_gmt":"2009-06-16T21:15:02","slug":"maerzmusik-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/maerzmusik-2009\/","title":{"rendered":"MaerzMusik 2009"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1198\" title=\"MAERZMUSIK 2009 - ROBERT ASHLEY\" src=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/robert-ashley_mae_c-kai-bienert-11-208x300.jpg\" alt=\"MAERZMUSIK 2009 - ROBERT ASHLEY\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/robert-ashley_mae_c-kai-bienert-11-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.aufabwegen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/robert-ashley_mae_c-kai-bienert-11.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/p>\n<p>Festival MaerzMusik 2009<br \/>\nBerlin, diverse Orte<\/p>\n<p>Dem Festival MaerzMusik gelingt es immer wieder, einen sinnhaften Bogen \u00fcber etliche Aspekte des zeitgen\u00f6ssischen Musikschaffens zu spannen, die leider oftmals disparat verhandelt werden. Ohne eine zwanghafte Programmpeitsche, und doch oft thematisch geb\u00fcndelt, stehen bei der MaerzMusik gro\u00dfe Orchesterwerke neben Ensembleabenden und Potraitkonzerten, wird die Neue Musik mit gro\u00dfem N flankiert von ihren Stieft\u00f6chtern Klangkunst und Experimental-Elektronik.<\/p>\n<p>Die Einordnung der Relevanz der MaerzMusik mit ihren gro\u00dfen Themensetzungen \u00fcberlassen wir getrost den Feuilletons und wenden uns dem ausschnitthaften Subjektiverlebnis zu. In der 2009er Ausgabe gab es vor allem in der zweiten H\u00e4lfte des Festivals einen interessanten Schwerpunkt mit Potraits von Robert Ashley und Alvin Lucier. Besonders der Abend mit der Musik Luciers geriet zur magischen Feier mit einer Klangwelt, die das Verrinnen der Zeit (nicht immer f\u00fcrs geplagte Publikum leicht genie\u00dfbar) veranschaulichte. Vier St\u00fccke von Lucier standen im Zentrum &#8211; maximal angelegt bis zur Triobesetzung Hayward, Burr und Curtis. Die St\u00fccke sind als Permutationsfolgen angelegt, als singul\u00e4r wirkende Tonketten, die mit sich selbst ins Unreine geraten und doch auch ihren inneren Charakter schlu\u00dfendlich offenbaren. Wenn Klavier und Cello sich in <strong>Twonings<\/strong> (2006) belauern und in qu\u00e4lender Dauer leicht versetzte T\u00f6ne erzwingen, dann wirkt die Kraft der inneren Sanduhr nach einer Weile auf den Zuh\u00f6rer beruhigend und letztendlich auch erhellend. Spannend auch mit zu erleben, wie im St\u00fcck <strong>In Memoriam Jon Higgins<\/strong> (1987, f\u00fcr Klarinette und Sinusgenerator) Anthony Burr den Instrumentalklang dem synthetischen Puls ann\u00e4herte und durch Reduktuion trotzdem etwas hinzuzugeben wusste.<br \/>\nEtwas puschelig-unentschlossen wirkte der gro\u00df\u00e9 Themenabend zu Robert Ashley im Haus der Festspiele, welcher das Festival beschloss. Die beiden vor der Pause dargebotenen Kammerst\u00fccke wirkten in der Darreichung durch das MAE Ensemble seltsam h\u00f6lzern und wackelig: die Anmutung eines Rock-Setups wursde durch die fast schon zaghafte Umsetzung wieder ausgehebelt und ins Leere gef\u00fchrt. Etwas mehr Biss und Vehemenz erhielt das Programm nach der Pause durch Ashleys starke B\u00fchnenpr\u00e4senz, wenn auch die Stimmperformance aus einer Zeit stammen, als man mit dem \u00f6ffentlichen Vortragen des Inhalts eines Einkaufszettels noch Revolutionen ausl\u00f6sen konnte&#8230; Im Foyer gab es f\u00fcr die Hartgesottenen den ganzen Tag \u00fcber bereits die einzelnen Episoden der bizarren Fernsehproduktion <strong>Perfect<\/strong> <strong>Lives<\/strong> zu sehen. Hier k\u00f6nnte als Fazit die Feststellung gen\u00fcgen, dass es zwar spannend war, den gro\u00dfen Robert Ashley mal geh\u00f6rt zu haben, gerade aber die beiden j\u00fcngeren Werke aus 2004 und 05 keine Offenbarungen gebracht haben sondern eher langweilig klangen.<br \/>\nDas absolute Highlight f\u00fcr uns war der Besuch des Film\/Ton-Abends im Arsenal Kino am Potsdamer Platz, kenntnisreich und spannend eingef\u00fchrt durch Volker Straebel. Hier\u00a0 zeigte das Elektronische Studio der TU einen Abend zum Thema <strong>Early US Tape Music<\/strong> in dem seltene Sch\u00e4tze zur Frage des Zusammenspiels von Bild und Klang gezeigt wurden. Die <strong>Five Film Exercises <\/strong>(1943\/44) von John und James Whitney waren ein echter Eyeopener: Farbspektren, geometrische Formen und bizarr blubbernde Kl\u00e4nge, erzeugt durch Bearbeitung der optischen Tonspuren des Filmmaterials f\u00fchrten zu einem sensibilisierenden Kribbeln auf Seiten des Betrachters. Dies kam noch einmal auf beim Erklingen der Urauff\u00fchrung der 8-Kanal-Tonbandfassung von Earle Browns <strong>Octet II<\/strong> aus dem Jahre 1954. In dieser Klammer waren auch der lieblose elektreonische Gehversuch Morton Feldmans und das essayistische Gewaber der Barons milde interessant. Ein absolut inspirierender Abend!<br \/>\nWeitere Ereignisse, die einen Eindruck hinterlie\u00dfen, waren: die deutsche Erstauff\u00fchrung von Tenneys <strong>arbor vitae<\/strong> in der Darreichung durch Quatuor Bozzini\u00a0aus Montreal mit seinen querlaufenden Tonlinien; das fast schon klamaukige, aber auch spritzige\u00a0St\u00fcck <strong>Singing In The Dead Of Night<\/strong> (David Lang\/Michael Gordon\/Julia Wolfe),welches das eighth blackbird Ensemble aus Chicago auch im Heimwerker-Manier forderte; der erwartbar launig-pomp\u00f6s-bl\u00f6delige Auftritt des Duos <strong>Michael Nyman + alva noto<\/strong> mit der s\u00fc\u00dfen Zugaben-Rache des Carsten Nicolai; der gesamte Auftritt von Beat Furrer und seinem Ensemble Contrechamps &#8211; federleicht, unaufdringlich, konzentriert; die Posaune solo durch Frederic Belli in Berios <strong>SOLO (f\u00fcr Posaune und Orchester)<\/strong>; und schlie\u00dflich die ma\u00dflos over the top agierende und fast schon mit kolonialem Furor sich breitmachende Klanginstallation von Janet Cardiff &amp; George Bures Miller. Hier blieb als Wunsch zur\u00fcck, statt der gezeigten Arbeit <strong>The Murder Of Crows<\/strong> das Geld darauf verwendet zu haben, die sch\u00f6ne Halle des Hamburger Bahnhofs abzutrennen und darin viele kleinere, konzentriertere Arbeiten von vielen internationalen Klang- und Ger\u00e4uschk\u00fcnstlern zu zeigen. Vielleicht beim n\u00e4chsten Mal.<br \/>\nFestzuhalten gilt mit dem n\u00f6tigen Abstand, dass es schier \u00fcberw\u00e4ltigend ist, in welcher Dichte und welcher Internationalit\u00e4t die MaerzMusik ihre Akzente zu setzen versteht. Hierf\u00fcr ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n!<br \/>\nTill Kniola, Foto: Robert Ashley (Kai Bienert)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\" target=\"_blank\">www.berlinerfestspiele.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festival MaerzMusik 2009 Berlin, diverse Orte Dem Festival MaerzMusik gelingt es immer wieder, einen sinnhaften Bogen \u00fcber etliche Aspekte des zeitgen\u00f6ssischen Musikschaffens zu spannen, die leider oftmals disparat verhandelt werden. 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