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Introduction

10. Januar 2018 · Kommentare deaktiviert

Willkommen im Logbuch.
Hier werden regelmäßig Rezensionen eingestellt. Und zwar nur solche, die nicht in der Printausgabe von aufabwegen erscheinen oder erschienen sind. Das Logbuch ist also als eine Art Ergänzung und Weiterführung der Printausgabe von aufabwegen zu verstehen. Wir möchten das Logbuch dazu nutzen, in aller Kürze auf Tonträger, die uns erreicht haben einzugehen.
Viel Spaß beim Stöbern!
Zipo

kaon – ausgewählte Veröffentlichungen

10. Dezember 2017 · Kommentare deaktiviert

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Das von Cedric Peyronnet betriebene kaon-Label hat sich zwar in jüngster Zeit auf fast schon privatistische Kleinsteditionen beschränkt, bietet aber immer wieder echte Perlen und Entdeckungen. kaon verschreibt sich konsequent der Beschäftigung mit den akustischen Eigenschaften unserer Umwelt, sei es in der direkten Montage von field recordings als akustische Kartographie, sei es in fantasievollen Kombinationen aus “gefundenen” Klängen und abstrakter Elektronik.
Viele der auf dem Label vorgestellten Künstlerinnen und Künstler sind Landsleute von Peyronnet, so auch Thibault Jehanne (Jahrgang 1989). Seine knapp 15-minütige Arbeit La Cabane de Béton (MCDR, SE15) entstand im Rahmen einer Künstlerresidenz in der Villa La Brugère in der Normandie, wo jährlich mehrere Aufenthalte von Musikern, Philosophen und Bildenden Künstlern ermöglicht werden. La Cabane de Béton arbeitet mit Feldaufnahemn aus dem Dorf, in dem die Villa steht. Wir hören Wasserplätschern, fernes Vogelgekrächzte, Landschaftsambience. Es scheint einen konzeptuellen Bezug zu Rabelais und seiner Erzählung der mythischen Abenteuer des Pantagruel zu geben; aufgrund fehlender Französischkenntnisse kann dies aber nur vermutet werden. Jehanne erschafft eine sehr fragile Geräuschwelt, die poetisch und magisch tönt. Zum Ende der freien Collage wird die knisternde und knacksende Aktion von einem leise wogenden, sich verdichtenden Akkordeon-Sound unterlegt, was ein wenig an Dominique Petitgand denken lässt.
Drei Jahre lang hat Cedric Peyronnet Aufnahmen am Lauf des Taurion in seinem Departement in der Nähe von Limoges gemacht. Entstanden ist eine umfangreiche Soundbank, die er in der Serie La Riviere für Künstler öffnete – die Vorgabe war, mit den Flußaufnahmen als Grundlage ein neues Stück zu erarbeiten bzw. sich von den Flußaufnahmen Peyronnets zu einem neuen Werk inspirieren zu lassen. Über drei Jahre gab es alle zwei Monate zu diesem Thema neue Veröffentlichungen, meistens in Form von handnummerierten Mini-CDRs. Aus der ersten Tranche der Fremdprojekte stammt Gisements von Marc Namblard, einem Öko-Educator und Wildlife-Recordist, der u.a. für exklusive Kunstbuchprojekte zu bestimmten Tierarten den Soundscape beigesteuert hat. Auf seiner Taurion-Reminiszenz wählt er den Mittelweg aus unbearbeiteten Feldgeräuschen aus der Klangbibliothek und abstrakten elektronischen Sounds. Es entsteht eine spannende Wechselwirkung zwischen “Natur” und “Komposition”, wobei erstere wesentlicher Bestandteil letzterer ist, gerade in der dynamischen Konstruktion. Einige Längen hat Gisements, gerade dann, wenn auf allzu plakative synthetische Sounds zurückgegriffen wird, aber die Magie rieselnder Kiesel in der Strömung verschnitten gegen dröhnende Bassflächen ist äußerst reell und effektiv. Cedric Peyronnets eiegens Projekt toy.bizarre soll hier in einer ungewöhnlichen Arbeit genannt werden, nämlich in der Verwendung von künstlerischen Sourcings als Feldmaterial. Die Grundlage der sieben Stücke auf kdi dctb 071 – EP (MCDR, kaon JU14) bildet Basismaterial, das von Das Synthetische Mischgewebe vermutlich bereits Ende der 1990er Jahre angeliefert worden ist. Entsprechend untypisch klingen toy.bizarre hier: wie in einem Funpark für CB-Amateure knattert und brutzelt es, schnalzen die Störsignale und knistern die defekten Kabel. Fast schon noisig kann das werden, immer ist es spröde und stoisch, wie eine Erkundung durch ausrangierten Radioempfänger.
Zipo
www.kaon.org

Jealousy Party/Nicolas Wiese – Relative Memory CD

10. Oktober 2017 · Kommentare deaktiviert

absinthRecords022

Jealousy Party/Nicolas Wiese
Relative Memory CD
(absinth records 022)

Jealousy Party ist ein seit 1995 bestehendens florentiner Trio um den Stimmakrobaten Mat Pogo. Auf Relative Memory haben sie sich mit Nicolas Wiese zusammen getan, der sowohl eigene, prerecorded Samples in das Spiel eingespeist hat, als auch nach Beendigung der Studiosession die entstandenen Aufnahmen manipuliert und rekonfiguriert hat. Spannend ist, dass das Ganze sich einen geisterhaften Livecharakter erhakten hat, was an der Lebendigkeit der Stimmen (ob in real time oder verfremdet) und der Bläser liegt. Kleine Details, die sich oft erst bei mehrfachen Hördurchläufen offenbaren, verraten, dass Richtungen vertauscht wurden, Dynamiken des Ensembles widersinnig zueinander stehen und Zeitachsen verbogen scheinen. Es gibt chaotische Improv-Verdichtungen, bei denen man plötzlich den Eindruck hat, der Saxophonist sei nicht mit im Raum gewesen, sondern zwei Tage vorher am Studio vorbeigelaufen. Elektroakustische Einschübe machen überraschend Räume auf an Stellen, wo man gar keine vermutet. Alles ist so fein gewoben, dass niemals der Eindruck von Künstlichkeit entsteht. Toll!
Zipo

John Luther Adams – Become Ocean CD/DVD

1. September 2017 · Kommentare deaktiviert

CA21101

John Luther Adams
Become Ocean CD/DVD
(Cantaloupe Music CA21101)

Mr. Adams ist einer DER gefeierten Komponisten der zeitgenössischen Musik in den USA. Sein Werk Become Ocean strebt sicherlich nicht an, der ultimativen maritimen Programmmusik – die Rede ist von Debussys La Mer – etwas entgegenzusetzen, sondern vielmehr wird der Topos des Ozeans als Ideengeber für die hier vorherrschende Cluster-Kompositionstechnik ins Feld geführt. Die 5.1. Mischung mit etwas uninspirierten Plätscherbildchen überlassen wir den HiFi-Fetischisten. Die Strandard CD gibt das Werk auch prima wieder. Ein großer Orchesterapparat, die Seattle Symphony unter Ludovic Morlot, spielt dunkle, brodelnde Flächen. Besonders wie sich die Klangströme ganz behutsam aus der Stille aufbauen ist eine Freude zu hören. Überraschende Wendungen oder viele Details tun sich allerdings auch nicht auf. Become Ocean klingt fast wie eine Francisco Lopez Interpretation mittels Orchester. Überall blau, blau, blau. Ein Klang, der kontingent bleibt, der sein Geheimnis hüten will, der sich duckt und lauert.
Zipo
www.cantaloupemusic.com

Robin Foster – Empyrean CD

1. September 2017 · Keine Kommentare

UPP19045

Robin Foster
Empyrean CD
(Upton Park Publishing UPP19045)

We Are Bodies ist das Bandprojekt von Robin Foster, mit dem er sich in Post-Rock und Shoegaze-Kreisen bereits einen Namen erspielt hat. Weniger bekannt sind seine Soundtrack-Arbeiten und Instrumentalreleases, obwohl es hiervon wesentlich mehr gibt, als von seiner Hauptband. Aktuelle Arbeitsprobe: Empyrean. Ein Album mit 10 zumeist treibenden, catchy-kühlen Instrumentals voller raumgreifender und schwebender Gitarrenakkorde und eleganten Keys. Etwas hausbacken wirken manchmal die Beats, da könnte noch etwas am richtigen Augenmaß gefeilt werden. Insgesamt überzeugt aber, wie es Foster gelingt, eine stimmige Atmosphäre aufzubauen. Als Anspieltipps seien hier die Ballade The Hardest Party und das verträumt beginnende, wavige Titelstück genannt.
Zipo
www.robinfoster.fr