Willkommen im Logbuch.
Hier werden regelmäßig Rezensionen eingestellt. Und zwar nur solche, die nicht in der Printausgabe von aufabwegen erscheinen oder erschienen sind. Das Logbuch ist also als eine Art Ergänzung zum Heft zu verstehen. Wir möchten das Logbuch dazu nutzen, in aller Kürze auf Tonträger, die uns erreicht haben einzugehen. Auch, um das Printheft in Punkto Reviews etwas zu entlasten und dort wieder mehr Raum für Features und Interviews zu haben.
Viel Spaß beim Stöbern!
Zipo
Introduction
18. Juli 2010 · Kommentare deaktiviert
The Striggles – Aloha CD
18. Juli 2010 · Keine Kommentare
The Striggles
Aloha CD
(Noise Appeal)
Der harmlose Kaninchenschatten und das freundliche gelbe Cover täuschen darüber hinweg, dass auf Aloha dreckigster Noiserock gespielt wird. Klar ist es möglich, die Verzerrer bis zum Anschlag aufdrehen, dass man denkt, die Boxen müssten den Geist aufgeben, zwischendurch kann man auch ruhig einmal das Tempo zurücknehmen und eine Art bizarre Bluesnummer namens Life is pretty (black) spielen und vielleicht hat ja auch der Falsettgesang bei Jack seinen Platz auf dem Album, bevor Up to me mit der Wucht des Punk die Gehörgänge reinigt. Beim Abschluss Lord hört man stammelnden Sprechgesang, bei dem man den Eindruck bekommen kann, der Sänger sei auf dem besten Weg ins Delirium tremens. Ein im besten Sinne des Wortes schmutziges Album.
Michael Göttert
www.noiseappeal.com
Full Blast & Rupp/Pliakas/Wertmüller – CDs
15. Juli 2010 · Keine Kommentare

Full Blast
Black Hole / Live at Tampere CD
(atavistic ALP195CD)
Olaf Rupp/Marino Pliakas/Michael Wertmüller
Too Much Is Not Enough CD
(FMP CD135)
Der Rezensent gibt zu: auf dem Gebiet des Jazz ist er kein Experte, weshalb er sich grundsätzlich auch eher ungerne ein Urteil darüber erlaubt. Der Avant- bzw. Free Jazz hat ihm in den letzten paar Jahren allerdings so sehr den Kopf verdreht (und die Ohren freigespült), dass es ihm ein echtes Anliegen ist, seine Begeisterung dafür am Beispiel einiger aktueller Neuerscheinungen aus dem Umfeld eines seiner unbestrittenen Helden kundzutun: Peter Brötzmann. Der ist zweifellos ein alter Hase der Szene, mit allerdings überragender Strahlkraft auf die jüngeren Protagonisten, mögen sie aus Skandinavien (Paal Nilssen-Love, Mats Gustafsson), aus den USA (Ken Vandermark, Fred Lonberg-Holm) oder eben, wie bei den hier vorliegenden Aufnahmen, aus der Schweiz stammen.
Natürlich haben Michael Wertmüller (dr, perc) und Marino Pliakas (bass) noch deutlich mehr Meriten vorzuweisen, wofür ihre gemeinsam mit dem Gitarristen Olaf Rupp eingespielte CD ein ganz herausragendes und zu Recht bereits viel gelobtes Beispiel ist. Charakteristisch hierfür, wie auch für die gemeinsam mit ebenjenem Peter Brötzmann unter dem Projektnamen “Full Blast” aufgenommene Doppel-CD “Black Hole / Live at Tampere”, die kürzlich von Atavistic re-releast wurde, ist die schier unbändige Energie, die dem Zusammenspiel der beiden Trios entspringt und der sich der Hörer, nicht zuletzt in der Live-Situation (dokumentiert hier auf der “Tampere”-CD), nahezu unmöglich entziehen kann.
Natürlich reicht diese Feststellung nicht an den hohen Komplexitätsgrad der zu besprechenden (und keineswegs immer frei improvisierten, sondern teilweise, insbesondere in den Schlagzeugparts Michael Wertmüllers, auch mal minutiös genau auskomponierten) Musik heran. Doch selbst Wolf Kampmann bekennt sich in seinem Pressetext zur Rupp/Pliakas/Wertmüller-CD auf FMP zur Unterkomplexität, zu der die Kritik solcher Aufnahmen – einer Kapitulation gleich – beinahe gezwungen ist. Ganz besonders, wenn jene bereits im Titel das Motto “Too Much Is Not Enough” für sich ausgeben.
Kampmann beschreibt den kreativen Ursprung dieser also offenbar ganz bewusst einkalkulierten intellektuellen Überforderung des Hörers mit der schönen Metapher eines “collective molecular action painting”. Das trifft es jedenfalls in dem Sinne sehr gut, dass das subjektive Erleben solch akustischen “Action Paintings” allen voran pure, nervös flackernde tönende Energiefelder und deren jeweilige Auf- und Entladungen im Raum zu sein scheinen, die den Hörer mit voller und eben kaum mehr zu durchschauender Wucht treffen. So bleibt ihm oft gar keine andere Wahl, als sich davon schlicht mitreißen und dann mittreiben zu lassen.
Keine Frage: Eine solch simplifizierte Wirkungsbeschreibung kann keinen echten Durchblick für sich reklamieren. Pliakas, Wertmüller, Rupp und Brötzmann werden uns das aber gewiss nicht allzu übel nehmen, solange das Urteil über ihre Musik einzig und allein lauten kann: Großartig! – und: Bitte mehr davon!
Strunz!
Badun – Last Night Sleep CD
10. Juli 2010 · Keine Kommentare

Badun
Last Night Sleep CD
(Mindwaves Music)
Wenn man von den auf der CD enthaltenen Klängen auf die drei Dänen schließen kann, dann scheinen sie einen entspannten und entspannenden Schlaf zu haben: Dezentes Elektronikgeknister, schleppende Beats und Passagen, die an halb erleuchtete Jazzclubs denken lassen. Am atmosphärisch dichtesten ist Slow City, das von der Stimmung an den musikalisch natürlich völlig anders ausgerichteten Tor Lundvall denken lässt. Vielleicht könnte dieses Album einen Film von David Lynch, den die transzendentale Meditation völlig mit sich ins Reine gebracht hat, untermalen.
Michael Göttert
www.myspace.com/mindwavesrecordings
Leif Elggren – Physiological Frequencies Buch
8. Juli 2010 · Keine Kommentare

Leif Elggren
Physiological Frequencies Buch
(Gallery Niklas Belenius)
Jetzt muss hier mal geposed werden: aufabwegen hat 2006 erstmalig Leif Elggrens zeichnerisches Werk in einer Ausstellung mit 60 Zeichnungen in Deutschland präsentiert, Titel: Physiological Frequencies. Inzwischen ist die Serie auf über 200 Motive angewachsen, es handelt sich um ryhthmische figurale Kugelschreiber-Zeichnungen, die Elggren direkt nach dem Aufwachen, quasi noch im Halbschlaf, produziert. Das vorliegende dicke Buch reproduziert die meisten von ihnen, außerdem gibt es Interviews und Texte auf schwedisch und Englisch. In für Elggrens Arbeit typischer Weise schwankt der Charakter der Zeichnungen zwischen verblüffender Einfachheit, schauriger Verzerrung und tiefenpsychologischem Selbstversuch. Im Grunde knüpfen die Bilder ans eine Geisterforschung, seine Versuche, das Zwischenreich vor der Geburt und nach dem Tod zu erkunden, an.
Zipo
www.niklasbelenius.com
