Andreas Bick
Fire And Frost Pattern CD
(Gruenrekorder Gruen 074)

Klangkunst die sich mit Naturphänomenen befasst hat oft die gleiche Wirkung auf uns wie seinerzeit frühe Tierfilme im TV. Man taucht ein in unbekannte Welten, erhält plötzlich Zugang zu bisher verschlossenem Terrain. Wenn dieses „Aufdecken“ und „Hineinführen“ mit einer eigenen ästhetischen Qualität, die über das bloße Entdeckertum hinausreicht, vollzogen wird, dann entsteht tolle akustische Kunst. Andreas Bick ist dies mit seinen beiden für das DeutschlandRadio Kultur produzierten Stücken Fire Pattern und Frost Pattern bestens gelungen. Ein Stück erforscht die Eigenschaften von Vulkanen und heißen Quellen, der Gegenpart geht den Eisbergen und Frostblumen auf den Grund. Bick geht im Text auf einige Aspekte der Klangforschung ein, die ihn besonders aus kompositorischer Sicht reizten. Und da geht mir ein Stoßseufzer auf: denn auch wenn das Grummeln der Hitze brutal harsch klingt, das Bewegen des Eisbergs wie ein röhrender Löwe oder das langsame Schmelzen wie ein Glitch-Remix von Autechre, so sollen diese Klänge mich bitteschön um ihrer selbst Willen fesseln. „Boah!“ will ich nicht sagen müssen, weil mich Bick überrascht, wie toll ein Eisberg klingt, z.T. erst mit technischen Hilfsmitteln hörbar gemacht. Hier ziehe ich die naiv-emphatisch Geste eines Rolf Julius vor, der eine Membran auf einen Stein legt. „Boah!“ sage ich, weil Andreas Bick mit abenteuerlichen Klängen wie selbstverständlich operiert und sie miteinander als „Musik“ wirken lässt. Gegen alle lackaffigen Tendenzen so mancher Klangkunst lässt sich Andreas Bick immer von der Faszination für den Sound leiten. Dafür bin ich ihm dankbar und ich meine, diese Faszination hört man seinen beiden Kompositionen auch an.
Zipo
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