riek

LASSE-MARC RIEK
Helgoland CD
(Gruenrekorder Gruen 109)

Tobias Fischer thematisiert in seinem erfrischenden Booklet-Text (Obacht! Der Mensch – die Maschine, hihi) einige der an das Genre herangetragenen Kritikpunkte: Rolle des Komponisten, Problem der Wissenschaftlichkeit, etc. pp. Lasse-Marc Riek unterwandert diese Fragen mit der ganzen Präsentation seiner Aufnahmen: die CD ist derart künstlerisch und ansprechend präsentiert, dass sich die Frage nach einer Autorenschaft gar nicht stellt. Natürlich steckt hier Leidenschaft und Engagement des Künstlers drin, selbstredend sind Aufnahmen von kreischenden Vögeln in den Felsen von Helgoland Werke von Riek (GEMA!). Etwas anderes bleibt problematisch: Viele Künstler der Szene konterkarieren die hart erkämpfte Autonomie der gefundenen Klänge durch zu starke Betonung der Mühen und Gefährlichkeit, die mit der Aufnahme selbst verbunden sind. Gerade so, als ob die Field Recordings nur zu rechtfertigen seien, wenn der oder die Künstlerin mindestens 17 Stunden im Packeis eingeschlossen waren oder eine vom Aussterben bedrohte Spezies mit einem Spezialmikro beim Eierlegen aufgenommen wurde. Dies führt zu Know-how-Porno und komischer auratischer Aufladung. Bei Helgoland wird auch diese Gefahr weitestgehend ausgehebelt, da von vornherein klar ist, dass es sich um ein sehr persönliches Projekt von Lasse-Marc Riek handelt. Und sein großes Thema wird hier in einen Gesamtkomplex eingebettet: die Vögel. Das Booklet beschränkt sich auf einige rudimentäre Angaben und schöne Fotos. Das Besondere sind also die Sounds selbst. Die Ähnlichkeit der Robbenschreie zu den Vogellauten. Die druckvollen Wirbel der Windgeräusche. Das Knirschen des Sandes. In der Sequenz der Aufnahmen ergibt sich ein abwechslungsreiches und spannendes Gesamtbild, das Anreize zu Phantasiereisen gibt. Brillante Klänge ohne Hysterie….
Zipo
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