Hafdís Bjarnadóttir
Sounds Of Iceland CD
(Gruenrekorder Gruen 157)

Um field recordings ranken sich etliche Diskurse, es wird gestritten um Fragen der Repräsentanz, der Aneignung, der Authentizität, der Ästhetik und weitere mehr. Fest steht, dass man scheinbar unbearbeiteten Geräuschen aus der Außenwelt mit viel Genuß lauschen kann. Wenn es sich um unbearbeitete Feldgeräusche, wie im Falle von Hafdís Bjarnadóttir CD, handelt, bekommen die Entscheidungen des Field Recordists besonderes Gewicht: Was wurde wann und warum ausgewählt, was wurde weggelassen, welche Themensetzungen liegen den ausgewählten Aufnahmen zugrunde, was soll erzählt werden? Sounds Of Iceland versucht nämlich tatsächlich, eine Geschichte zu erzählen – der Lauf des Jahres wird mit den verschiedenen Regionen der Insel in Aufnahmen verknüpft. Allein diese Setzung verdeutlciht, dass es nicht um eine komplette akustische Darstellung gehen kann, sondern der Versuch unternommen wird, punktuell besonders eindrückliche Klangereignisse in eine dramaturgische Abfolge zu birngen. Zusammen mit den schönen Landschaftsfotografien im Booklet ergibt sich eine akustische Sehnsuchtsprojektion, der Wunsch, in einem imaginierten Island so tief einzutauchen, wie es die Klänge auf der CD suggerieren. Eine Typologie erübrigt sich fast, denn natürlich sind hier zu hören: Wasser-und Windgeräusche, Tierlaute, knacksende Steine und gluckernde Quellen. Und ob die in Montenegro anders klingen als auf Island, das darf bezweifelt werden, ist aber hier auch nicht die Frage. Bjarnadóttir liefert EIN Beispiel für die atemberaubende klangliche Diversität unseres Planeten und für die Möglichkeit der künstlerischen Arbeit mit diesem Fundus. Danke dafür.
Zipo
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