Edward Ka-Spel & Motion Kapture
Alien Subspace CD
(Rustblade Records/Broken Silence RBL073CD)

Wie muss man sich die Arbeit eines Edward Ka-Spel vorstellen? Wie behält er noch selbst den Überblick über tausende von Lyrics? Wie entscheidet er bei einer Kollaboration außerhalb des Mutterschiffs Legendary Pink Dots, welche Texte er verwendet, welchen modus operandi er ansetzt, welche Themenkreise er beackert? Es erschließt sich in der Sicht von außen kein augenscheinlicher Unterschied bei Wahl von Sujet, Umsetzung und Ausgestaltung der Fantasien – auch auf Alien Subspace, der Titel und das leicht angekitschte Artwork deuten es bereits an – scheint es um „spaciges“ zu gehen, um (düstere) Zukunftsszenarien und die ganz großen Fragen. Currency und No Configuration scheinen Schwesterstücke zu sein – in beiden Tracks sinniert Ka-Spel über kosmischen Sequencerläufen und linearer Dynamik über die Fallstricke des Kapitalismus und darüber, das die Menschheit sich zum Sklaven der Bedeutung von Zahlen und Berechnungen macht. Currency scheint die analytische Beoabachtung zu liefern, No Configuration dazu die klaustrophobische Auswirkung auf den Einzelnen, in seinen eigenen vier Wänden vor dem heimischen Screen. Why We Live ist ein anderes Beispiel für eine supermelodiöse Gedankenschlacht: große Breaks markieren Plattformen des Nachdenkens, auch hier wieder eingebettet in pulsierende, elektronische Beats und auffächernde Gitarrenakkorde. Fans von Manuel Göttsching werden an diesem Setting ihre helle Freude haben. Etwas schwächer fallen Die Tracks A Delicate Affair und Too Late For Miracles aus, die keine rechte Weiterentwicklung zeigen und hinter der Prägnanz der vorgenannten Lieder zurückstehen müssen. Edward Ka-Spel setzt seine Stimme aber mühelos in die Szenarien des italienischen Duos Motion Kapture ein, mal fast schon verschnupft-näselnd, mal ausrufend und raumgreifend, wie wir es von ihm auch bei LPD schon kennen. Das Album endet mit einer Sprech-Erzählnummer (A Happy Grey Circle), die über minimalem elektronischen Arrangement davon handlet, wie eine FB-Freundschaftsanfrage eine Rachefantasie zum Aufblühen bringt, die ihre Stärke daraus bezieht, dass sie genau das bleibt, nämlich eine Fantasie. Ein sehr solides Album, das streckenweise sehr viel spass macht. Der Sound ist modern, die Stimme markant, die themen wie üblich bizarr und eigenbrödlerisch. Alles da, für Fans und Novizen!
Zipo
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