Frank Niehusmann/Hainer Wörmann
Kabel LP
(Nur/Nicht/Nur 118 22 09)

Hier haben wir eine Angelegenheit des instant composings, aufgeschnappt im Dezember 2017 in Bremen. Hainer Wörmann an der E-Gitarre und Frank Niehusmann am Laptop, übrigens gänzlich anders eingesetzt als zum Beispiel von Gregory Büttner in Aktion mit Birgit Ulher. Zwei Instrumente mit eigenen Spuren agieren hier, die Kanäle sind offen und das Gepräch kann seinen Lauf nehmen. Die vorliegende LP markiert sechs Stücke; im Hörempfinden handelt es sich aber um einen durchgehenden Klangfluss, der seine Dynamik und seinen Charakter zwar ändert, aber als stringente Abfolge wie aus einem Guß „passiert“. Grundsätzlich sind vor allem kleinste kratzige Geräusche, plirrende und sirrende, silbrige Töne in Bodennähe und elastisch-synthetische Flächen zu vernehmen. Frank Niehusmann scheint von der Ästhetik des Tonbandes nicht loszukommen – schönerweise, wie wir finden! Besonders auf der B-Seite der LP sind immer wieder Scratching-Effekte und rückwärtslaufende Sounds zu hören, die dem Klanggeschehen eine prägnante Form geben. Oftmals ist aber nicht zu entscheiden, welche Geräusche von welchem Spieler stammen. Kratzen und Schaben bedeutet nicht zwangsläufig, dass nun gerade wieder die Wörmann’schen Spulen heißlaufen. Dies kann auch aus der Echtzeitspleißhölle der Niehusmann’schen Festplatte entspringen. Umgekehrt sind zart jaulende, sich in Tonhöhe rasch verändernde Impulse nicht zwingend synthetisch manipulert, sondern können durchaus von einer kleinen Spülbürste stammen, die über Saiten fährt und nach dem Durchlaufen eines Pedaleffekts kleinste Perlen aus dem Amp purzeln lässt. Diese Beschreibungen lassen womöglich erahnen, dass diese schöne LP nur die halbe Wahrheit des Duos zeigen kann – wie diesen Winter in Köln bezeugt, besteht auch ein großer Reiz darin, den beiden Musikern in ihrem Versuchsaufbau bei der Erzeugung ihrer Klänge in Echtzeit zuzuschauen. „instant composing“ eben.
Zipo
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