Schurer
Blind Material CD
(domizil 46)

Oft wird geschrieben, Musik sei vertontes Pathos. Musik ist vor allem aber Dynamik und Energie. Getränkt in diesen Elementen ist Bernd Schurers Blind Material, eine CD, auf der Stücke mit Konzeptionsdatum 2008 neu eingespielt und aufgenommen wurden, wenn ich die Creditangaben richtig deute. Die Töne rasen durch den Raum, knurrend und wie kleine Geschosse wild springend peitschen sirrende Klangelemente hin und her, zur Ruhe scheinen sie kaum zu kommen. Die Klänge sind scharf und prägnant, sie verdichten sich zu intensiven Clustern und bewegen sich in rollierenden Mutationen im Raum des Klanggeschehens. Eine gewisse Dringlichkeit steckt in ihnen. Herzstück der CD ist das 32-minütige Soliloquy Synthesis, welches sich als Tableau sich umtänzelnder Klangimpulse darstellt. Sicher, das Album Blind Material ist messerscharfe Computermusik, aber niemals hat man hier den Eindruck, man wohne unterkühlten Berechnungen in ihrer akustischen Exekution bei. Es gibt da immer noch das gewisse Surplus, schwer greifbar, aber doch vorhanden. Die menschgemachte Raserei der Töne, die Schichtungen, die Gegensätze, überhaupt die unberechenbare Topographie der Musik. Diese Dinge verleihen der Klangwelt auf Blind Material, quasi durch die Hintertür, so etwas wie Emotionalität.
Zipo
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