Eric Hofbauer Quintet
The Rite Of Spring CD
Quintet For The End Of Time CD
(creative nation music cnm 025 & cnm 026)

Ohne im Geringsten Experten zu sein ist uns doch klar, dass es eine große Fallhöhe darstellt, sich als Jazz Gitarrist an eine eigene Interpretation zweier Schlüsselwerke der Moderne zu wagen; nämlich Strawinskys Rite Of Spring und Messiaens Quatuor Pour La Fin Du Temps. Hofbauer ist so vorgagengen, dass er mit den Musikern seines Quintetts für ihn relevante Aspekte herausgegriffen hat und darauf seine eigenen Versionen aufgebaut hat. Er bleibt in ähnlichen tonalen Regionen wie die Vorbilder, doch durch die Instrumentierung mit Trompete, Gitarre, Schlagzeug, Cello und Klarinetten erhalten beide Versionen kleinformatige Lebendigkeit, die ich für die Originale nicht erinnere. Überhaupt, das im KZ geschriebene und uraufgeführte „Quartett vom Ende der Zeit“ kannte ich bisher als gazehaft gestreckte Motivfolge, mit vielen Pausen und einer insgesamt leisen Charakteristik. Dies ändert sich beim Eric Hofbauer Quintet hin zu einem zwar schwermütigen aber doch sehr lebendigen und klezmerhaft wogenden Kammerjazzstück. Bei der Neufassung des „Frühlingsrituals“ vermissen wir die fast schon tribalistische Rhythmik des Originals, die sich vor allem vor dem Backdrop eines Orchesterklangs wild kaprizieren konnte. Hier wiederum wirkt Hofbauers Version entschleunigt und sehr bedächtig, fast schon übervorsichtig-tastend. 2016 und 2017 hat der Bostoner Gitarrist seine „prehistoric jazz“ Reihe um zwei weitere Interpretationen ergänzt, darunter um eine von Charles Ives. Wie heißt es so schön: Den Mutigen gehört die Welt.
Zipo