Ernesto Diaz-Infante/Manuel Mota/Gino Robair/Ernesto Rodrigues
Our Faceless Empire CD
pax recordings PR90289)
Han-earl Park/Catherine Sikora/Nick Didkovsky/Josh Sinton
Anomic Aphasia CD
(SLAM Productions SLAMCD 559)
Vorfeld/Scott/Gratkowski
Sieben entrückte Lieder CD
(Creative Sources Recordings CS339CD)

Wie ich auf einmal zum Improv-Experten wurde? Indem die fleissigen Labels vor allem dieser Szene mich nachwievor mit neuen Hervorbringungen zur Besprechung versorgten und diesen Strom nicht abreissen ließen. In Zeiten der immer engeren Blasen, des verschwindenden Musikjournalismus ist es eine schöne Geste, wenn auf das eigene Urteil – denn mehr ist es ja nicht! – vertraut wird. Our Faceless Empire ist ein Mitschnitt aus einer Nordamerika/Kanada-Tour der portugiesischen Improvisateure Mota & Rodriges des Jahres 2006. In Oakland, CA trafen die beiden auf Gino Robair und Ernesto Diaz-Infante (der meines Wissens nach das pax recordings Label betreibt) und spielten ein konzentriertes, vierzigminütiges Set, welches hier dokumentiert ist. In der Anmutung nicht unähnlich dem Echtzeitmusik-Minimalismus überlagern sich knisternde Sounds und feinste. wurmschlingernde low-key-Tonfolgen aus der Geige mit vereinzelt purzelnden Gitarrennoten, sowohl elektrisch als auch akustisch. Die Klänge genügen sich selbst, ein spannungsgeladenes Brodeln ist nicht zu erkennen, sondern eine entspannte Neugier, die allerdings etwas ereignisarm für den Zuhörer bleibt. Die konzentriert-bedeckte Zurückhaltung weiß man allerdings sehr zu schätzen, wenn man im Vergleich nun anomic aphasia lauscht. Fünf Nummern in unterschiedlichsten Trio-Besetzungen können in ihrem Spieldrang ordentlich nerven. Wo soll die ganze Energie hin?! Maximaler Gleichklang? Trötende Leads? Ploing! und Pling! seitens der E-Gitarre? Es gibt natürlich beglückende und luzide Momente auch auf dieser CD, aber insgesamt wirkt es eher so, als würden die Akteure gegeneinander und nicht so sehr miteinander spielen. Ganz anders liegt der Fall auf Sieben entrückte Lieder. Hier wird Kunst des Zuhörens und Sich-Aufeinander-Einlassens perfektioniert. Das Klanggeschehen wird von zarten, knisternden und prixelnden Sounds beherrscht, den Synthi (Richard Scott) hört man nicht als dominierend heraus. Tripselnde Percussion (Vorfeld) und schnalzende Töne aus Gratkowskis Klarinetten umtänzeln einander wie junge Vöglein im vorsichtigen Zwiegespräch.
Zipo
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