Jaap Blonk
Hugo Ball: Six Sound Poems, 1916 2x CD
(Balance Point Acoustics bpa-4)

Nun packt auch Jaap Blonk der Reissue-Wahn. Auf der gemeinsam mit seinem Label Kontrans und Balance Point Acoustics herausgegebenen Doppel CD zum Thema Hugo Ball versammelt Blonk zwei Einspielungen der berühmten Lautgedichte des Dadaisten: Eine von 1989, aufgenommen als Trio mit Bart van der Putten (Saxophon) und Pieter Meurs (Kontrabass) und 2003 bei Kontrans als BABA-OEMF veröffentlicht. Und eine im Duo aus 2013, aufgenommen mit dem US-amerikanischen Kontrabassisten Damon Smith (und auf dessen Label Balance Point Acoustics sowohl als CD und als Tape veröffenlicht). Nun hier veröffentlicht als Doppel-CD ergänzt um einen Essay zur Person Hugo Ball von Melissa Venator. Reduzierter und reflektierter wirkt die Aufnahmedes Duos mit Damon Smith. Das Zischeln und Krächzen der Sechs Laut- und Klanggedichte, 1916 wirkt konsequent umgesetzt und wie eine perfekte Interpretation avantgardistischer Klassiker. Jaap Blonk holt hier alles aus seiner Stimme heraus und lässt sich vom Damon Smith tragen und stützen. Die End-1980er-Aufnahme aus dem BIMhuis klingt hingegen etwas dreckiger, freier und lustvoller – und damit auch etwas lebendiger. Hier sind drei Improvisatoren versammelt, die vor allem das Potenzial der Lautpoesie des Hugo Ball für ihr eigenes Spiel freilegen und auf dieser Grundlage kraftvoll und naiv-selbstbegeistert interagieren. Historisch interessant sind diese Aufnahmen auch deshalb, weil sie Blonk zu seinen Anfängen als Vocal-Performer zurückbringen, wo er als Rezitator von Gedichten begann und sich dann an Stoffe der Avantgarde (Schwitters, Ball, Artaud) herantastete.
Zipo
jaapblonk.com