
Stéphane Garin/Sylvestre Gobart
Gurs/Drancy/Bobigny’s train station/Auschwitz…. 2xCD
(Gruenrekorder Gruen 085)
Eine wunderbare, aber auch eine schwierige Veröffentlichung. Wir hören banale Feldaufnahmen: Hundebellen, Stimmen, vorbeifahrende Autos, Landschaftsatmos. Das Besondere daran ist: diese Aufnahmen stammen alle von Standorten der Konzentrationslager der Nazi-Schreckensherrschaft. Eingefangen wurden sie in ganz Europa mit der Absicht, die Erinnerungskultur von den ikonischen Schreckensbildern hin zu fast beiläufigen und unscheinbaren Bildern und Tönen zu lenken. Den zwei CDs sind neben erläuternden Texttafeln 15 Fotoabzüge in matten Farben beigelegt, die die aktuellen Situationen der Schreckensorte zeigen: Ein Wald, der einen Hinrichtungsplatz überwuchert hat, ein Gebäudeensemble, das auf einem vermuteten Massengrab errichtet wurde, verfallene Baracken und ähnliches mehr. Die Absicht der Künstler Stéphane Garin und Sylvestre Gobart besteht darin, die Erinnerung an den Holocaust persönlich und damit lebendig zu halten. Ihr Wunsch ist es, durch die intimen Sounds und Bilder einen Abstraktionsgrad in der Erfahrung und Auseinandersetzung der Massenvernichtung zu erreichen, der Raum für Gedanken und Reflexionen schafft. So weit, so gut. Deshalb ist der Release auch wunderbar, weil den beiden Akteuren eine zutiefst menschliche Intention zu attestieren ist. Gleichzeitig bleibt die Frage bestehen, ob es nicht auch eine Gefahr gibt, den Horror und die Gewalt zu ästhetisieren. Denn die Geräuschwelt steht für sich, der Wind in Ausschwitz raschelt ebenso, wie der Wind in Wanne-Eickel. Erst durch die Texte wird der Kontext hergestellt und zu fragen bliebe, ob die ehrhafte Absicht der Künstler sich hier nicht dem Klanggeschehen überstülpt. Dies mag jeder Hörer und jede Hörerin für sich selbst beantworten.
Zipo
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